Sonntag, 16. Oktober 2011

Projekte I - BSW College und Asa Kiran...und das aktuellste von mir =)

Da ich jetzt wirklich schon eine Weile im Social Centre arbeite, habe ich zumindest in 2 der Projekte schon etwas mehr Einblick bekommen und wollte euch diese Informationen natürlich nicht vorenthalten.
Zunächst einmal aber etwas allgemeiner über das Social Centre. Es wird von den Pune Jesuits geleitet und seit 8 Jahren ist mein Mentor, Fr. Jerome, jetzt schon Leiter dieser Institution. Im untersten Stockwerk befindet sich der Speiseraum der Fathers und die ganzen Büros der Mitarbeiter (ca.15). Jeder Mitarbeiter ist entweder für 3-5 Dörfer verantwortlich oder hat einen ganz speziellen Aufgabenbereich, wie z.B. die Buchhaltung oder Women Development. In jedem Dorf werden verschiedene Projekte gestartet, damit das Dorf sich sinnvoll selbst versorgen kann und auch die Bewohner sich gegenseitig unterstützen. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit einen Mitarbeiter zu einem „Visit“ zu begleiten, daher berichte ich davon in einem späteren Blogbericht.

Im Mittleren Stock befinden sich die Räume der Fathers, ein Klassenzimmer und noch das Lese- und Fernseherzimmer der Fathers. Im obersten Stock ist noch ein Klassenzimmer, das Mädchenschlafzimmer, mein Zimmer und eine Dachterrasse mit Wäscheleine. Als einstöckige, kleine Gebäude sind noch ein Klassenzimmer, das Jungsschlafzimmer und der Essensplatz der Students direkt neben dem Hauptgebäude angebracht. Dazwischen ist noch ein wenig Garten mit Kokospalmen und viel nackter Erde.

Die 1st Years bei den kleinen Ziegen des Don Bosco-Projekts
Das erste Projekt, das ich euch nun vorstellen möchte, ist das BSW College, mein Hauptarbeitsplatz. In 3 Jahren  machen die Studenten hier ihren Bachelor of Social Work. Das College gehört zu der University of Pune und besteht jetzt seit 3 Jahren. Das beudeutet, dass dieses Jahr zum ersten Mal Studenten hier (hoffentlich erfolgreich) ihren Bachelorabschluss machen. Insgesamt haben wir 55 Studenten. Davon leben 26 Jungs und Mädels hier im Social Centre Hostel. Jedes Year (Jahrgang) hat seinen eigenen Raum. Dort haben die Studenten Montag bis Donnerstag  von 9 – 13 Uhr Unterricht. Gerade unterrichte ich für das dritte Jahr eine Stunde English am Tag. Am Freitag besuchen die aus dem ersten Jahr eine soziale Einrichtung (Waisenhaus, Altenheim, Krankenhaus, etc.) und schreiben samstags dann einen Bericht darüber. Das zweite Jahr geht freitags und samstags in kleinen Gruppen in je eine Institution und arbeitet dort für einen halben Tag mit. Sie gehen das gesamte Jahr in die gleichen Institutionen und bekommen so einen Einblick in das Arbeitsleben in einer sozialen Einrichtung. Das dritte Jahr geht Freitagvormittag und kommt am Samstagnachmittag wieder zurück. Sie verbringen diese 2 Tage Gruppenweise in je einem von 3 Dörfern. Dort versuchen sie Projekte gemeinsam mit den Dorfbewohnern zu starten, um die Lebenssituation dort zu verbessern und jedem Bewohner ein annehmbares Leben zu ermöglichen; die Arbeit eines späteren Sozialarbeiters eben. Im Oktober und im April haben alle Prüfungen und direkt danach Ferien (im Oktober 10 Tage, im April 2 Monate). Für die Students, die im Hostel leben, gibt es jeden Tag noch feste Lern- und Putzzeiten. Als Verantwortliche für die Mädels muss ich für das Einhalten dieser Zeiten sorgen (nicht immer ganz einfach, da der Tag von den Mädels meistens viel lieber zum Schlafen genutzt wird).Neben dem studieren gibt es aber auch noch zu jedem größeren Anlass ein Fest im Social Centre, wozu aller Lehrer, die Staff und manchmal auch die Eltern der Students (je nach Anlass) eigeladen werden. Das Vorbereiten dieser Feste zusammen mit Evangeline (Lehrerin und Mitarbeiterin im Social Centre) und natürlich auch einigen Students gehört inzwischen auch zu meinem Aufgabenbereich. Das besondere an diesem College ist, dass es auch gering Verdienenden die Bildung ermöglicht, da Fr. Jerome ein Sparpaket anbietet: Die Gebühren für das College können in drei Etappen über das Jahr hinweg bezahlt werden. Bis dahin legt er das Geld bei der University of Pune aus. Daher kommen die meisten Studenten hier aus dem Dorf oder sind gar Adivasi (Tribals, die in Dorfähnlichen Kolonien im Wald leben), was bedeutet, dass sie sehr viel mehr an die indische Kultur mit ihren strengen Traditionen und Regeln aber auch an ihren Glauben gebunden sind. In der Stadt mit etwas westlichem Einfluss erfahren viele zum ersten Mal eine Art von Freiheit und Selbstbestimmung, was sie zunächst in vollen Zügen genießen. Manche werden dadurch aber auch in Schwierigkeiten versetzt, wenn sie zurück ins Dorf gehen und ihre in der Freiheit entwickelten Angewohnheiten nicht mehr erlaubt sind (vor allem bezüglich dem Umgang zwischen Frauen und Männern und das Benehmen vor Respektspersonen).

Shruti, Ishuar und Swati...die Kids von Asa Kiran
Das zweite Projekt, das ich schon näher kennen lernen konnte, nennt sich Asa Kiran und ist ein Rehabilitationscenter für Aidswaisenkinder. Dort werden sie wohnen und aufwachsen bis zu ihrem 18. Lebensjahr. Ab dem Schulalter werden die Kinder in die danebengelegene Schule gehen. Es ist das neuste Projekt, das von Fr. Jerome über das Social Centre gestartet wurde und ist noch nicht in vollem Gange. Da das Schuljahr in Indien schon im Juni beginnt leben bisher seit der Eröffnung Ende Juli nur Ishuar, Swati und Shruti in Asa Kiran und gehen seit Anfang September auch in die besagte Schule. Zu Asa Kiran gehören 2 große Schlafsäle (einen für Jungen, einen für Mädchen), ein großer Speisesaal mit Küche und Vorratskammer, ein kleiner, runder Aufenthaltsraum, ein Kuhstall und ein Haus für die Familie, die das restliche Ackerland von Asa Kiran bewirtet, die zwei Kühe versorgt und bisher auch die Kinder betreut. Sobald das laufende Schuljahr vorüber ist (April) will Fr. Jerome die zwei großen Schlafsäle aber mit bis zu 25 Kindern füllen. Bis dahin plant er noch einige kleine Räume auf die Gebäude zu bauen und auch eine Staff für das Projekt zu finden, die dort dann zusammen mit den Kindern lebt und nach ihnen schaut. In der Regel besucht mein Mentor die Kinder 2 mal in der Woche und zusätzlich hat er noch täglichen Englischunterricht organisiert, so dass den drei nicht langweilig wird, sie noch mehr lernen und nicht alles an der Familie hängen bleibt.
Sobald man zu Besuch kommt, nehmen sie einen gleich mit zu dem auf dem Feld gelegenen  Brunnen oder auf die Dachterrasse des Speisesaals, weil sie dahin nicht alleine gehen dürfen. Das größte aber ist für die Drei immer am Ende von den Besuchen mit Father Jerome eine Runde im Auto mitzufahren.

So und nun ein paar aktuelle Ereignisse von mir:

Das Gemeindefst von Shevgaon ...und ich im Bunjabi-Dress =)
Inzwischen sind meine Bunjabi-Dresses fertig genäht und zum Gemeinde-Fest vom nahe gelegenen Shevgaon habe ich auch einen getragen. Es hat sich zuerst angefühlt, als ob ich noch im Schlafanzug herumlaufen würde. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber an den vielen, locker-sitzenden  Stoff und dann ist es durchaus angenehm. Nur die Dupata (der Schal) ist ziemlich nervig…trotz Sicherheitsnadeln hängt sie überall nur nicht da, wo sie hingehört! Das braucht wohl noch etwas Übung, damit sie immer an der richtigen Stelle bleibt!




Ratten und Bäume des 1st Year Skits
Ende September hatte auch das englische Skit (kurzes Theaterstück) der 1st Years Premiere, das ich mit ihnen einen Monat lange einübt habe. Dabei ging es darum, die Umwelt zu schützen und seinen
Müll in den Mülleimer und nicht auf die Straße zu werfen. Nach unseren vielen Proben haben sie die
Dialoge im flüssigen Englisch präsentieren können und man konnte auch verstehen, was sie sagen. Jetzt müssen nur nach alle Students die Nachricht umsetzten. Daran hapert es allerdings noch sehr. Selbst in ihrem direkten Umfeld, dem Social Centre, werfen sie den Müll überall hin aber nicht in dem Mülleimer. Aber allen, die das Skit gesehen haben, hat es gefallen und sie waren überrascht, dass die 1st Years so deutlich Englisch sprechen können. Ich habe es für mich als mein erstes Erfolgserlebnis vermerkt und hoffe, dass auch weitere Programme so rund ablaufen.

Es gab natürlich auch mal wieder einiges zu feiern. Zum einen war Gandhis Geburtstag, der wurde aber ziemlich von dem neun-tägigen Fest Nauratri überschattet. Es wurde, ähnlich wie bei Gandpati, jeden Abend kräftig getrommelt, die Stadt mit bunten Bühnen, Figuren und Girlanden geschmückt und natürlich aus den überdimensionalen Musikanlagen beschallt. Das ganzen Fest fand seinen höhe Punkt am letzten Tag, genannt Dassera. An diesem speziellen Tag wurde der Sieg von Rama (Göttervater) über Ravan (das Böse) gefeiert. Abends wird eine riesige Figur verbrannt, die Ravan symbolisieren soll. Dazu werden wie bei uns an Silvester Feuerwerkskörper quer durch die Stadt gefeuert. Da Dassera im Bundesstaat Maharashtra ein Feiertag ist, konnte ich eine Nacht bei Merlin und Evangeline übernachten. Es war ein richtig schöner Mädelsabend und am nächsten Morgen habe ich für alle Pfannenkuchen gebacken, die sogar ohne Rezept gelungen sind.
Deutsche Pfannkuchen in indischer Küche...klappt gut!

Ansonsten gibt es nicht allzu viel Neues. Täglich lerne ich mit einer unserer Mauschis (die bei uns putzt) etwas Marathi und mit ihr habe ich auch schon 2mal Chapati gemacht...der Teig war keine große Herausforderung.Die Chapati dann aber dünn und RUND auszurollen und sie bei richtiger Hitze nicht schwarz werden zu lassen, ist schon um einiges schwerer und ich werde noch sehr viel üben müssen! Einmal hat sie mich auch mit zu ihrer Mutter nach Hause genommen. Es war zu Beginn ein sehr komisches Gefühl, da es als eine Art Segen angesehen wird, wenn man Weiße bei sich zu Hause hat. Später war es aber nett. Ich habe wie üblich etwas Tee getrunken und wir haben uns mit Händen und Füßen halb auf Englisch und halb auf Marathi unterhalten und zum Schluss noch gemeinsam gebetet.
Das gemeinsame Beten genieße ich inzwischen richtig. Überall, wo ich bisher war, wurde abends in der Gruppe gebetet und ich habe festgestellt, dass dabei egal ist, wer mit einem betet. In diesem Moment werden auch in der indischen Respektsgesellschaft alle gleich.

Ich unterrichte immer noch Englisch und statt Computerunterricht gebe ich nachmittags mit den Mädels Handarbeitsunterricht. Bisher haben wir aus Stoff und Draht große Deko-Blumen gebastelt. Da aber bald aber Prüfungen sind, lernen die Students lieber. Nach den Ferien im Oktober werde ich ihnen dann das Knüpfen beibringen, weil hier alle total auf selbstgemachte Freundschaftbänder stehen.
Die erste Blume unserer Handarbeitsstunde
Ach ja es tut mir furchtbar leid, wenn mein Satzbau nicht unbedingt dem korrektesten Deutsch entspricht, aber hier spreche ich nur Englisch oder eben Marathi und lese inzwischen auch nur noch Englisch. Deswegen seht es mir nach, wenn meine Informationen in weniger eleganten Sätzen verpackt werden. Falls ihr etwas gar nicht versteht, fragt einfach nach, dann probiere ich es ein wenig umzuformulieren XD

Soweit mal wieder von mir…macht es gut!
Bis zum nächsten Eintrag =)

Eure Sarah

Dienstag, 20. September 2011

Bull Feast, Gandpati, Teacher’s Day und Mother Mary Feast…die Inders lieben es zu feiern


Nach 3 Wochen sind immer noch Reste
des Schmucks an den Bullen auszumachen


Am Sonntag den 28.8. wurde hier das „Bull-Feast“ gefeiert. An diesem Tag werden die Bullen, die hier den Großteil der Feldarbeit erledigen, genauso wie deren Besitzer geehrt. Die Bullen wurden mit Blumen und allerlei Puscheln geschmückt. Ihre Hörner wurden rot-orange angemalt und das Fell verschwand unter Ornamenten und Mustern in allen nur verfügbaren Farben. In der Stadt führten die Beisitzer ihre Bullen stolz durch die Straßen, begleitet von einem Trommelzug.
Auf dem Dorf wird der Besitzer nochmals spezieller geehrt. Alle Leute aus dem Dorf bringen ihm Köstlichkeiten zu essen und er muss an diesem Tag nicht arbeiten. Das übernehmen an diesem einen Tag  andere für ihn, da er sonst ja jeden Tag arbeiten muss.
Eine spezielle Köstlichkeit an diesem Tag heißt Puran Puri. Auch wir im Social Centre hatte das an diesem Tag. Es ist wie eine Art Chapati, gefüllt mit süßen Streuseln.
Eine halbe Woche später begann dann das 10-tägigie Fest zu Ehren des Gottes Ganesh (in Marathi Gandpati). Er ist zuständig für Bildung, Lehre und Wohlstand. Über die zehn Tage hinweg, vom 1.-11.9. wurde eine Bühne nach der anderen in der ganzen Stadt errichtet und die Besitzer der Bühnen haben sich mit möglichst großen und prachtvoll geschmückten Gandpati-Statuen versucht zu übertrumpfen. Dazu wurden die Straßen noch mit Lichterketten und Stoffgirlanden geschmückt. Unser Schmuck zur Fasnetszeit ist dagegen richtig popelig. Zu jeder Bühne gehört natürlich auch eine ordentliche Musikanlage, die zum Teil den Musikanlagen auf Festivals Konkurrenz machen könnte. Sobald es Nachmittag oder Abend ist wird aus den Musikanlagen rausgeholt, was geht. Zum Glück sind wir nicht direkt im Stadtzentrum und meist dringt nur das Wummern der Bässe durch die Nacht bis in mein Zimmer. Einmal habe ich mich mit Merlin zum Einkaufen in die Innenstadt gewagt. Da ging es vor den Bühnen zu wie auf einem Rockkonzert und das Unterhalten war quasi unmöglich.
Am ersten und letzten Tag ziehen dann noch Trommelzüge durch die Straßen, begleitet von einem Fahrzeug mit großer Musikanlage. Dazu werfen sie mit rotem Farbpulver um sich, tanzen und feuern Raketen oder Böller ab. Dieser Zug begleitet am letzten Tag dieser zehntägigen Feier aber auch noch die Gandpati-Statuen. Die die aus Lehm gefertigten Statuen werden, da das Fest zu Ende ist, von ihrer Bühne bis zum Fluss getragen und dort hineingeworfen. Es ist zwar ein Hinduistisches Fest, aber jeder, der Lust auf viele feiernde Menschen auf den Straßen hat, macht mit. Leider hatte von Social Centre keiner Lust mich zum Fluss zu begleiten und so kann ich euch nur von Bildern aus der Ferne berichten und habe dazu keine Fotos zu bieten.

Am 5.9. haben wir auch hier am Social Centre den Teacher’s Day gefeiert. Evangeline, die Mitarbeiterin am Social Centre, mit der ich meistens unterwegs bin und ich haben zusammen mit den Shcülern ein kleines Programm auf die Beine gestellt und Sandwiches für die ganzen Studenten und die Belegschaft gemacht. Alle Lehrer (also auch ich) mussten eine Öllampe zu Ehren von Mutter Theresa und Dr. … entzünden. Die werden an diesem Tag besonders geehrt, da sie unser aller Lehrer sind bzw. sein sollten. Dann durfte jeder Lehrer spontan noch ein paar Sätze zu seinen Erlebnissen am Social Centre und zum Teacher’s Day sagen und wir bekamen eine Rose und ein kleines Geschenk von den Schülern überreicht. Danach gab es dann unsere Sandwiches und natürlich Chaha. Die letzten 2 Schulstunden nach dem Programm war dann Unterricht.

Die Rohstoffe für unsere
Sandwiches
Das Programm am Teacher's Day
Aber eine Feier bleibt ja ungern alleine…wäre ja auch langweilig. Am Donnerstag, den 8.9. haben wir Marias Geburtstag gefeiert. Im Social Centre wurden die Maria-Statuen besonders geschmückt und die gesamte Staff und die Studenten haben gemeinsam ein Gebet zu Ehren von Maria vor der Statue im Garten gesprochen. Ich selbst war mit Fr. Jerome und Fr. Thomas in Shevgaon, ca. 1,5h zu fahren. Dort ist ein Schwesternorden, der ein Krankenhaus und eine Schule mit Internat betreut. Sie haben ein großes Fest gemacht und uns dazu eigeladen. Zuerst war Messe, danach eine kleine Tanzvorführung einiger Mädchen aus dem Internat. Natürlich gab es dann auch noch reichlich zu Essen und da Feast war, gab es auch Fleisch, was die meisten immer außerordentlich freut. Ich habe mich weiterhin glücklich über das Gemüse hergemacht. Dort in Shevgaon habe ich auch eine Freiwillige aus Bayern getroffen, Tabea. Gerade ist sie für ein paar Tage hier bei mir im Social Centre, um sich wie ich auf der Polizeistation registrieren zu lassen. Sie lebt dort in Shevgaon mit den Schwestern im Krankenhaus und wir dort für ein Jahr arbeiten. Mit ihr und einer Schwester habe ich eine Runde durch das Krankenhaus gedreht. Jeder Deutsche würde hier bezüglich Hygiene verzweifeln, wobei im Vergleich zu dem indischen Alltag war es dort sehr sauber und Müll- und Moskito-frei. Mir wurde wirklich alles gezeigt und so stand ich plötzlich im Kreissaal, wo drei Frauen grade erst ihr Kind bekommen haben und eine noch in den Wehen lag. Da musste ich erst mal schlucken. Dass, ich dann nur meine Schuhe tauschen musste, um in die Intensivstation zu gehen, hat mich dann auch nicht weiter verwundert.
Ein indischer Gebetstanz zu Ehren vom Mother Mary


Neben der ganzen Feierei habe ich auch meine ersten richtigen shopping-Abende genossen. Evangeline (Mitarbeiterin vom Social Centre und meine tägliche Quasselpartnerin), Merlin (Evangelines Schwester), Snehal (Merlins Freundin) und ich haben keine Köstlichkeit ausgelassen und uns von Vadapav (davon habe ich euch schon berichtet) über Pani Puri (Knusperkuglen gefüllt mit Tamarindenwasser und ner Art Maissuppe) bis hin zu Masala Dudh (Gewürz Milch) durchgefressen. Dazu haben wir noch einiges mehr erstanden. Ich kann mir jetzt mein Zimmer mit zwei Landkarten schmücken, mit Marathi-Anfängerbücher etwas mehr Wörter lesen und schreiben lernen und ich habe mir auch meine erste indische Kleidung gekauft…besser gesagt den Stoff dafür. Jetzt muss es nur noch genäht werden. Dann kann ich auch endlich mit den Mitarbeitern in die Dörfer gehen. In der Stadt ist es noch in Ordnung mit Jeans und T-shirt oder Kurtha (eine Art lange Bluse). Aber auf dem Dorf wird man mit dieser Kleidung nicht akzeptiert. Also muss ich mich da dann doch etwas mehr anpassen. Vielleicht sind Bunjabi und Saari am Ende dann auch so bequem, dass ich nichts anderes mehr tragen will. Ich werde euch auf jeden Fall davon berichten.
Macht es gut. Ich feiern hier ein bisschen für euch mit!

Eine abendliche Masala Dudh in Ahmednagar
Und ein großes Pardon an meine treuen lieben Blogleser. In den letzten Wochen war einiges hier los und habe nicht die Zeit und Ruhe gefunden, ordentlich zu berichten. Dafür habt ihr jetzt aber etwas mehr zu lesen. Freut mich aber, dass ihr auch jetzt (nach einem Monat) noch fleißig lest und euer Interesse unstillbar zu sein scheint. Danke!

Eure Sarah

Freitag, 26. August 2011

Mein momentaner „Alltag“ und der erste Besuch in der „City“


Meist erhebe ich mich gegen 7 aus meinen nächtlichen Gefilden und früstücke dann um 7.30 Uhr zusammen mit den Fathers, Brothers, manchmal auch Sisters oder Guests. Es gibt eigentlich schon immer zum Frühstück etwas gekochtes…meist Chapati mit irgendeinem Gemüse oder eine Art Rührei mit Zwiebeln und Tomaten. Alles natürlich mit ordentlich Masala (Gewürz) versehen. Es steht aber auch Jam (Marmelade) oder eine Art Käse aus der Dose zur Verfügung…kombinierbar mit Weißbrot oder Chapati. Sonntags machen wir uns immer unser Frühstück selbst. Da gibt es dann Spiegelei mit Toast…ach ja der Chaha (Schwarztee mit Milch und, auf indische Art, mit 10 Löffeln Zucker) darf natürlich zu keinem Frühstück fehlen.
Um 9 Uhr fängt dann der Unterricht an. Ich unterrichte gerade Englische Grammatik für das 3rd Year in der 1. Stunde. Danach habe ich bis zum Mittagessen um 13 Uhr Freizeit…noch =) Da erledige ich dann meine Schreibkram, bereite Programm oder Unterricht vor oder lese und beantworte Mails oder besuche sämtliche Staff Mitglieder und befrage sie zu ihren Projekten. Von 14-17 Uhr heißt es dann Mittagsschlaf machen oder weiterhin mit der Staff arbeiten…je nach Menge an Arbeit, die ich tun kann.
Von 16-17 Uhr muss ich die Mädels eigentlich beim Saubermachen beaufsichtigen…wobei die das selbstständig machen. Gegen 17 Uhr baue ich dann für gewöhnlich die Slackline auf…einige schaffen schon ein paar freie Schritte aneinander…das tägliche Training hilft oder wir spielen Volleyball oder sonst was…der auftrag heißt einfach nur Kopf abschalten und bewegen. Dazwischen rede ich immer wieder mit den Schülern, bringe ihnen Englisch bei und sie mir Marathi. Seit neuestem bringen sie mir sogar das Devanagari – Alphabet bei.
Ab 18 Uhr bin ich dann im Computerraum und bringe denen, die da sind und Interesse haben, Zehn-Finger-Schreiben bei oder wie man eine Power-Point-Präsentation erstellt etc. Um 19.30 Uhr treffen sich dann alle vor der beleuchteten Marienstatue und beten den Rosenkranz. So langsam kann ich wenigstens das „Gegrüßet seist du Maria“ auf Marathi mitsprechen.
Direkt danach gibt es Abendessen. Das besteht wie das Mittagessen aus Reis, Chapati oder Bakhar oder Paparl (die verschiedenen Arten von Fladen), Curry (Art Suppe mit etwas Gemüse und manchmal Fleisch drin) und verschiedenem gekochten Gemüse, z.B. Bohnen oder Blumenkohl.
Um 22 Uhr schicke ich dann die Mädels ins Bett. Davor unterhalte ich mich entweder noch eine runde mit ihnen, bereite den Unterricht vor, schreibe längere Mails oder Berichte. Die Yoga-Übungen und das Lesen haben sich dann nach 22 Uhr inzwischen zu einem festen Ritual eingerichtet.


Die Straßen von Ahmednagar
an einem Sonntagmittag...
hier die Haupteinkaufmöglickeit für Kleidung
Jeden Sonntag oder Feiertag (die hier echt oft sind, da jeder Hindugott seinen eigenen Tag bekommt) haben wir Holiday…also frei.
Letzten Sonntag haben mich die Mädels zuerst mit in die Marathi-Kirche genommen. Das war fast ein heimisches Gefühl, weil der Ablauf des Gottesdienstes ungefähr dem in Deutschland entspricht. Es ist eben alles nur auf Marathi =)
Später bin ich dann mit zwei Mädels und einem Jungen in die „City“ gegangen. Wir waren zuerst am „bus stand“, der Ort, an dem alle Busse der Region zusammenkommen. Dementsprechend herrscht dort auch immer Verkehrschaos. Danach sind wir ins „Zentrum“ gegangen, dort, wo sich ein Laden an den anderen reiht. Auch dort war eine Menge los, weil ja alle frei hatten. Es ist vergleichbar mit einem Rockkonzert verteilt auf enge Sträßchen mit vielen Rikschas, Autos und Motorrädern. In den Läden bekommt man so ziemlich alles. Es gibt Läden für Kosmetikartikel, Cremes und Medizin (fast wie ein Drogeriemarkt), es gibt Schuhläden, Saariläden, Bunjaabiläden, vereinzelt Läden mit westlicher Kleidung, Fotoläden, Elektroläden, Geschirrläden, Läden für tikis (der Punkt auf der Strin) und Mehandi con (Hennafarbe) und Haarspangen, für nur Bengali (Armreifen) und Stände nur für Ohrringe.
ein typischer indischer Schuhladen (diese größe hat fast jeder Laden)
Vereinzelt sieht man auch einen Buchladen…Die meisten Läden sind so aufgebaut wie ein Kiosk, so dass ich am Marathi sprechen zum Einkaufen kaum vorbei komm. Am Straßenrand (sofern Platz ist) stehen dann noch Essensstände. Dort haben wir, dann gegen Nachmittag Vadapav (Kartoffeln und etwas grünes Gemüse zu eine Kloß geformt und frittiert, dazu Weißbrot und grüne Chili…die ich aber ausgelassen habe) gegessen, was ein typisches Essen für Ahmednagar ist. Da es so heiß war, haben wir uns auch einen Lassi gegönnt. Hier besteht der aus Milch mit keine-Ahnung-was versehen und einer Kugel Eis.

Vadapav, Weißbrot und grüne Chili
So langsam bekomme ich etwas Orientierung und lerne mein Umfeld Stück für Stück kennen. Es war eine Fülle an Eindrücken, die mir für eine ganze Woche reichen. Aus deutscher Sicht voll, laut, bunt, kitschig…aber man gewöhnt sich daran eigentlich sehr schnell. Es gehört einfach zu Indien dazu. Es war mir auch eine willkommene und sehr schöne Abwechslung gegenüber dem Social Centre, was ich jeden Tag habe. 

Soweit von mir…und meinen Erlebnissen in Indien.

Eure Sarah

Donnerstag, 18. August 2011

Rakshabanden un Independence Day


Am 13.8. feierten alle hier Rakshabanden, ein Fest aus dem Hinduismus. Dabei bitten die Frauen die Männer um ihren Schutz und Beistand. Bei einer kleinen Zeremonie bemalen die Mädchen die Stirn des Jungen, drücken etwas Reis darauf, füttern ihm Zucker, umrunden das Gesicht mit einer Rupien-Münze und mit einer Kerze und binden schließlich ein Bändchen an den Arm des Jungen. Bei mir wurde eine Ausnahme gemacht…obwohl ich kein Junge bin, durfte ich an dem Ritual teilnehmen. In der ganzen Stadt hat man auch noch am nächsten Tag Männer und Jungen mit roter Farbe und Reis auf der Stirn, sowie bunt schillernden Armbändern gesehen. Vor allem in Familien (zwischen Schwester & Bruder bzw. Ehefrau & Ehemann) ist dieses Ritual von großer Bedeutung.
Shruti und ich beim Rikshabanden-Ritual
Zwei Tage darauf, am 15.8., wurde die Unabhängigkeit Indiens gefeiert. Es ist ein nationaler Feiertag, daher fand kein Unterricht statt. Einige Läden, sowie der Gemüsemarkt um die Ecke haben aber trotzdem geöffnet.
Im ganzen Land wurden die Flaggen gehisst…hört sich einfach an, wird aber durch ein Ritual aus dem Hinduismus begleitet. Wenn man im Hinduismus etwas Respekt zollt, wird ein Stein davor gelegt, der wird mit Wasser besprengt, mit rotem Farbpulver und Blumen bestreut und mit Räucherstäbchen eingeräuchert. Dann wird darauf noch eine Kokosnuss zerschlagen. Die Kokosnuss symbolisiert mit seinen zwei „Augen“ und einem „Mund“ die Männlichkeit. Das Zerschlagen auf dem Stein bedeutet nun, dass die Männlichkeit zerbricht und sich ganz dem Verehrten hingibt…in diesem Fall der Flagge. So wurde bei uns im Social Centre, sowie in ganz Indien vor dem Hissen der Flagge dieses Ritual abgehalten. Ich als Gast durfte Die Kokosnuss zerschlagen und die Flagge dann hissen…Das war eine große Ehre!
Das Theaterstück des 1st Year
Dann hat noch jede Collegestufe (Year 1-3) etwas vorgeführt…eine Rede, ein Lied und ein kurzes Theaterstück.

indische Kanbbereien


Danach saßen wir in der Conference Hall alle zusammen und haben süße und salzige Knabbereien genossen und natürlich Cha (Tee). Dort ging auch das Programm weiter…die meisten Sachen waren spontan, was egal war, weil es dabei nur um Spaß haben ging.




Chandbibi

Da wir ja einen Tag frei hatten, habe ich danach mit einigen Students einen großen Ausflug zum Chandbibi gewagt. Zu 16. In einer Rikscha…was ein Erlebnis! Chandbibi ist ein großer Turm auf einem Hügel vll. 15km außerhalb…dort hat einst die gleichnamige Königin Chandbibi und ihr Mann gelebt. Weil sie eine zu intelligente Frau war und den Männern Angst gemacht hat, wurde sie auch ermordet…soweit ich das verstanden habe.



Mir wird also nicht langweilig und ich befinde mich mitten im indischen Leben…was sehr laut und bunt und „crowded“ ist.
Soweit so gut…inzwischen unterrichte ich etwas Englische Grammatik, deswegen nicht wundern, wenn der nächste Eintrag etwas auf sich warten lässt ;)

Eure Sarah

Samstag, 13. August 2011

Die ersten Tage in Poona und Ahmednagar


Nach 8 h Flug kam ich am Dienstagmorgen um 5.00 Uhr am Flughafen in Poona an. Aufgrund der 3,5h Zeitvierschiebung bin ich in die Nacht hineingeflogen. Von oben konnte man die nicht enden wollenden, indischen „Kleinstädte“ begutachten.

...welcome Poona
Goodbye Deutschland...

Abgeholt wurde ich von Father Altrichter, der das Exerzitien-Haus der Jesuiten in Poona betreut. Mit der vollgepackten Rikscha ging es quer durch die Stadt.
Dort habe ich drei Tage verbracht, mich an das Klima, die indische Eimerdusche, das Essen, das Wasser, den Tee usw. gewöhnen können. 
Am Donnerstag haben dann 3 Sisters vom Fatima Orden ihren Dünger, mein Gepäck und mich abgeholt und mein Gepäck und mich in Poona im San Jeevan Ahsram abgeladen. Dort wurde ich dann von 2 Fathers aus dem Socail Centre abgeholt und nach Ahmednagar gebracht. Auf ging’s auf den überfüllten, chaotischen Straßen von Poona nach Ahmednagar. Wir überholten links, wir überholten rechts, trieben das Auto bis kurz vor den roten Umdrehungsbereich und ließen uns die schwarzen Abgase durch das offene Fenster entgegenwehen. Alles in allem sehr spannend und sehr chaotisch, verglichen mit den Deutschen Straßen.
Mein Zimmer
Mein Bad

Seit Donnerstagabend bewohne ich nun hier in Ahmednagar im Socail Centre ein Zimmer, das mit dem nötigsten ausgestattet ist. Der größte Luxus ist mein eigens Bad. 
Außer Wäsche waschen muss ich hier nichts tun und da ich noch genaue Arbeit habe, unterhalte ich mich meistens mit den Schülern vom College, die hier wohnen und  lerne von ihnen einige Brocken Marathi…weil wirklich Englisch sprechen hier die wenigsten. Manchmal nimmt mich auch einer der Fathers mit auf einen Ausflug zu den Projekten außerhalb…so z.B. zum Rehabilitation Centre Asha Kiran.

Auf dem Dach des Soicial Centre...
...und der Blick über Ahmednagar

So langsam gewöhne ich mich an mein Umfeld und an das Leben hier…alles brauch eben seine Zeit =)
Morgen ist Independence Day…einige Schüler werden etwas vorführen…ich bin schon sehr gespannt!

Davon und von noch vielem mehr werde ich euch hoffentlich bald berichten!
Eure Sarah

Samstag, 6. August 2011

Deutschland Ade!

Der Countdown läuft...nun sind es nur noch 2 Tage, bis ich mein trautes Heim in Oberndorf verlassen werde um dann nach Frankfurt zu gehen, wo meine Reise nach Indien satrten wird.
Mitte Juli hatten wir in Rot an der Rot unser Aussendungsseminar...das letzte von insgesamt vier Vorbereitungsseminaren. Seit dem fiebere ich meiner Ausreise entgegen.
Auch meinen Aussendungsgottesdienst in meiner Gemeinde und meine I'm-off-then-Party sind gut über die Bühen gegangen.
Gerade noch rechtzeitig habe ich gestern sogar mein Visum in München abholen können. Aus eigentlich 3 Tagen Bearbeitungszeit wurden plötzlich 2,5 Wochen, was das Thema Visum bis zu Letzt in eine spannende Angelegenheit verwandelte und mich ordentlich um meine Ausreise Bangen ließ.
Aber jetzt steht dem planmäßigen Abflug wirklich nichts mehr im Wege. Auch meine Ankunft in Pune (Indien) ist schon organisiert und geplant.
Nun heißt es also wirklich packen und alles vorbereiten. Gar nicht so einfach zu entscheiden, was man in einem Jahr wirklich brauchen kann und was eigentlich unnötiger Schnick-Schnack ist. Die Packliste wird länger und länger. Immer neue "ach-so-praktische" Dinge fallen mir ein, die ich in 10 Jahren zwar bisher nie gebraucht habe, aber die doch irgendwann vielleicht mal von Nutzen sein könnten.
Zwischendurch verlasse ich mein Packchaos, um noch dem ein oder anderen endgültig "Tschüss" zu sagen und alle nochmal kräftig Drücken zu können. Dann heißt es wieder ab ans Packen...und so leeren sich die Schränke, der Stapel in meinem Zimmer wird größer - genauso wie meine Sorgenfalte auf der Stirn...wie soll das alles nur in meine Koffer reinpassen?!?
Naja auch in Indien kann man einkaufen gehen und 2 mal 23kg ist doch eine ganze Menge...
In diesem Sinne verabschiede ich mich fürs Erste und mach mich weiter ans befüllen meiner Koffer =)

Ich melde mich sobald wie Möglich wieder...hoffentlich dann schon aus Ahmednagar (keine Ahnung wie gut die Internetanbindung in meiner Einsatzstelle ist)

Bis bald
Eure Sarah